Foto: Jörg Hempel

Preisträger BDA-Architekturpreis Nike 2019
Preisträger Auszeichnung guter Bauten des BDA Düsseldorf 2017
Preisträger Architekturpreis Nordrhein-Westfalen 2018

Die Wehrhahn-Linie, Düsseldorf

Düsseldorf

Foto: Jörg Hempel

Die Wehrhahn-Linie, Düsseldorf

Düsseldorf
Projekt
Die Wehrhahn Linie, Düsseldorf
Architekt
netzwerkarchitekten GmbH, Darmstadt
Bauherr
Landeshauptstadt Düsseldorf

Nike 2019 – Votum der Jury

Man fliegt mit dem Flugzeug von A nach B und von B nach A und verbringt scheinbar ein halbes Leben genau dazwischen, also weder in A noch in B – sondern im transitorischen Zwischenraum des Unterwegsseins. Der modernen Mobilitätsgesellschaft, die fast nur noch unterwegs ist im Nirgendwo der Warteräume zwischen Abfahrt und Ankunft, Arrival und Departure, ob an Flughäfen, Bahnhöfen oder Straßenbahnstationen, hat der Film „Terminal“ (2004) mit Tom Hanks in der Hauptrolle des heimatlosen, am Flughafen wegen Grenzschwierigkeiten sozusagen sesshaft gewordenen Viktor Navorski ein karikierendes Denkmal gesetzt. Heimatlosigkeit und ein Mangel an Verortung, Behausung und identitätsstiftenden Räumen: Das waren die Themen des Films.

Wäre man allerdings selbst jener zeitgenössische Nomade wider Willen, Viktor Navorski, man wünschte sich nach Düsseldorf in eine der sechs neuen Haltestellen der seit 2001 geplanten „Wehrhahnlinie“. Denn diese U-Bahnlinie bietet dem unbehausten Transit die Stirn in Form einer ambitionierten Architektur, ausgestattet sowohl mit Kunst als auch mit Raumkunst. Dieses einzigartige Raumkontinuum ist das genaue Gegenteil dessen, was man üblicherweise mit dem U-Bahn-Fahren assoziiert. Einem Aufenthalt in den unübersichtlichen, lieblos normierten und tageslichtlosen Katakomben und Kavernen des städtischen Untergrunds setzt die Wehrhahnlinie Materialwahl, Lichtregie und Raumkomposition so gekonnt entgegen, dass man sich in den von namhaften Künstlern gestalteten Bahnhöfen fast wie im Museum wähnt: an einem lichten Ort, den man eher bewohnen und durchwandern als durchfahren will. Ein größeres Kompliment für das atmosphärische Wunder solcher Architektur, die aus Infrastruktur Baukultur macht, ist kaum denkbar.

 

Juryurteil „Architekturpreis NRW 2018“

Mit der Wehrhahn-Linie hat die Stadt Düsseldorf bewiesen, dass auch große Infrastrukturprojekte einen Beitrag zur städtischen Baukultur und zur Erfahrung von Kunst im Alltag leisten können. Die Jury lobt die außerordentlich hohe gestalterische Qualität dieser nicht alltäglichen Bauaufgabe, die durch eine enge Zusammenarbeit von Bauherrin, Architekten und Kunstschaffenden gelungen ist. Entstanden ist eine angenehm spannungsvolle, aber nicht aufdringlich wirkende unterirdische Erlebniswelt von hoher Aufenthaltsqualität, die über vertikale Raumbezüge mit den oberirdischen Stadträumen visuell verbunden bleibt. Die reliefartige Bearbeitung der Betonoberflächen im Bereich der Bahnsteige prägt die sechs neuen Stationen als verbindendes Element. Im Kontrast dazu stehen die in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern individuell gestalteten Zugangsbereiche, die durch Integration von Bildern, Klängen und Medieninstallationen in die Architektur das Transportereignis poetisch inszenieren.

Juryurteil „Auszeichung guter Bauten 2017“

Ein Infrastrukturprojekt vom Kaliber der Wehrhahn Linie hat große Auswirkungen auf das Stadtleben.
Nicht nur die technischen, baulichen oder finanziellen Herausforderungen sind enorm, sondern auch die hohen Anforderungen an die räumlichen Lösungen müssen mit größter Sorgfalt erfüllt werden.
Denn es handelt sich bei einer U-Bahnlinie um öffentlichen Stadtraum, der von einem großen Teil der Bevölkerung täglich genutzt und erfahren wird. Es ist allerdings ein sehr spezieller Stadtraum, der das alltägliche oberirdische Gewusel mit den linearen und zeitlichen Gesetzmäßigkeiten eines unterirdischen Tunnels verbindet. Hier kommt es auf kluge Konzepte an, welche die extrem artifizielle temporär und transitorisch erlebte unterirdische Welt den Menschen angenehm und verständlich machen und zudem
eine Beziehung zur als real empfundenen gewohnten oberirdischen Welt herstellen können. Die Stadt Düsseldorf hat sich diesen räumlichen Aufgaben auf sehr umsichtige und kluge Weise gestellt, indem sie nicht nur zur Architektur ein vorbildliches Auswahlverfahren mit hochkarätiger Jury vorgenommen hat, sondern von Anfang an auch die Kunst mit hoher Priorität in den gesamten Planungsprozess einbezogen
wurde. Das Ergebnis ist eine ausdrucksstarke, abwechslungsreiche und überaus angenehm zu nutzende unterirdische Welt mit faszinierenden künstlerischen Werken und Installationen, welche sich teilweise thematisch mit der Wahrnehmung von Raum, Zeit oder Bewegung auseinandersetzen.

Foto: Jörg Hempel
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Preisträger

BDA-Architekturpreis Nike 2019 – Nike für Atmosphäre

Auszeichnung für ein Bauwerk, das durch Gestalt und Anmutung, durch Licht und Raum, durch Material und Farbe einen besonderen atmosphärischen Eindruck erreicht.  

Preisträger

Auszeichnung guter Bauten des BDA Düsseldorf 2017 – Auszeichnungen

Preisträger

Architekturpreis Nordrhein-Westfalen 2018 – Auszeichnungen