Foto: Stefan Meyer

Preisträger BDA Preis Bayern 2016

Rau und ruhig

Schweinfurt

Foto: Stefan Meyer
Projekt
Rau und ruhig
Architekt
Schlicht Lamprecht Architekten
Bauherr
Georg Lesch e.K.

Rau und ruhig

LKWs überqueren donnernd das Gelände, Metallschrott türmt sich bergeweise, Lärm und Staub prägen die Atmosphäre. Innerhalb dieses betriebsintensiven Treibens wünschte sich die Unternehmerfamilie einen Büro- und Betriebsgebäude, in dem in Ruhe gearbeitet, organisiert, miteinander kommuniziert werden kann. Ein Ort, der das Geschäftsfeld selbstverständlich widerspiegelt. Auf dem Betriebsgelände wird Altmetall angenommen, sortiert, an Stahlwerke abgegeben. Familie, Angestellte und gewerbliche Mitarbeiter wirken hier gemeinsam, alle Funktionen sind hier vereint. Der Neubau zeigt sich ruhig, zugleich wehrhaft nach außen. Corten-Stahl als robustes Material der Hülle widersteht den äußeren Einflüssen auf dem Hof. Als Herzstück überrascht der ruhige Innenhof, zu dem sich alle Büro- und Aufenthaltsräume orientieren. Im Gegensatz zum rauen Stahl prägen hier warme und natürliche Materialien die Oberflächen. Sollte das Gebäude dennoch einmal in die Jahre kommen, Bedürfnisse sich ändern, so kann zumindest die Hülle verwertet werden, witzt die Bauherrenfamilie mit einem Augenzwinkern.

Foto: Stefan Meyer
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Preisträger

BDA Preis Bayern 2016 – Gewerbe- und Verwaltungsbau

Beurteilung der Jury:
Altmetall ist durchaus eine poetische Angelegenheit, auch wenn diese Recycling-Branche nicht zuletzt wegen der TV-Serie „Die Ludolfs“ eher einen prolligen Ruf hat. Aber auf den Höfen der Familie Heinlein in Schweinfurt, wo sich die metallischen Reste der umliegenden Wälzlagerindustrieunternehmen zur Weiterverwertung einfinden, bekommt man eher den Eindruck eines riesigen künstlerischen Materiallagers, so bizarre Formen, Farben und Stoffe häufen sich hier zwischen Waagen und Pressen. Vor allem das warme Rostrot prägt die Arbeit dieses Familienunternehmens in Bayerns wichtigster Industriestadt, und deswegen ist die Fassade aus 4 Millimeter dicken Cortenstahlplatten, die Schlicht und Lamprecht um das neue Betriebsgebäude gehüllt haben, auch ein „familiäres“ Element.
Das in seinem Umfeld aus großen Blechhallen eher winzig wirkende Gebäude entfaltet innen ein erstaunlich komplexes Raumprogramm, das auch mehrere psychologische Aspekte zu beachten hatte. Vater Heinlein braucht den Sichtkontakt zum Arbeitshof, seine Tochter hatte in dem lärmstarken Tagesbetrieb den Wunsch nach Stille, und die enge Verbundenheit der Firmenleitung mit ihren langjährigen Mitarbeitern sollte sich auch innenräumlich abbilden.
Also organisiert sich das Gebäude mit gläsernen Innenseiten um einen stillen Hof, der mit Holzlamellen und geduckten Pflanzen im Kies die Anmutung eines Zengartens entfaltet. Die Innenorientierung durch raumhohe Fensterfronten erlaubt den ständigen Sichtkontakt zwischen den verschiedenen Arbeits- und Pausenbereichen. Und der Boss beobachtet durch die große Panoramascheibe von seinem Schreibtisch alles, was im Verarbeitungsbereich vor sich geht.
Das massive Gebäude mit seinem hermetischen Auftritt präsentiert sich in allen Arbeitsbereichen überraschend hell. Das gilt besonders für den lichten Besprechungspavillon im zweiten Stock, der nach drei Richtungen einen Blick über das Schweinfurter Industriegebiet erlaubt und den Zugang zu dem begehbaren Dach ermöglicht. Die helle und freundliche Atmosphäre bekommt ihre individuelle Prägung durch die kreisrunden Lichtfilter mit ihren vier kleinen Zacken, die einer häufig eingelieferten Stanzform der Autozulieferer entspricht. Wenn man dieses sehr persönliche und kommunikative Gebäude „Rostlaube“ nennt, dann ist das ein aufrichtiges Kompliment für die poetische Verbindung von Schrott und Idyll.

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