Foto: Lutz Edelhoff

Nominierung BDA-Architekturpreis Nike 2010

Oper Erfurt

Erfurt

Foto: Lutz Edelhoff
Projekt
Oper Erfurt
Architekt
PFP Architekten BDA, Hamburg
Bauherr
Freistaat Thüringen vertreten durch das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr

Oper Erfurt

Am neu gestalteten Erfurter Theaterplatz setzt das gläserne Foyer der Oper entscheidende Akzente: Hohe schlanke Stützen und frei in den Luftraum eingestellte Galerien, Bars und Treppen werden sichtbar. Der große Saal ist als frei stehende Skulptur in den Theaterinnenhof eingestellt – der Hof bietet auf diese Weise die Kulisse für zusätzliche Aufführungen und Aktionen.

800 Plätze bietet der große Saal, 199 Plätze werden in der Studiobühne angeboten, Werkstätten und Ateliers können als Arbeitsplätze und Veranstaltungsräume gleichermaßen genutzt werden, das mehrgeschossige Foyer ist vorbereitet für den Ausbau als unkonventionelle dritte Spielstätte und zu guter letzt kommt noch ein „Theatrium“ genannter stufenförmig ansteigender Patio im Herzen des Neubaus hinzu, einem Innenhof mit einer fast mediterranen Anmutung, mit Tribünenstufen; vom Foyer aus als Freilichtbühne bespielbar oder in den Pausen – im Sommer – von den Besuchern als Ort der Begegnung genutzt.

Die Theater- und Bühnentechnik ist auf hohem Niveau, die Bühnenmaße sind auf eine Zusammenarbeit mit Weimar zum eventuellen Austausch von Inszenierungen abgestimmt, Möglichkeiten zur Nachrüstung im Unterbühnenbereich und in der Foyerakustik sind vorbereitet, die Werkstätten könnten als zentrale Werkstätten auch mehrere Theaterstandorte bedienen. Die Bühne ist nahezu fünf Meter unter der Erde, und darunter befinden sich noch Proben- und Technikräume; alles Nutzungen, die „über der Erde“ mit komplizierter Sicht- und Schallschutztechnik hätten abgeschottet werden müssen, ein doppelter Synergieeffekt. Es ist diese Einfachheit in der Konzeption des Neubaus, die – hoffentlich – seinen dauerhaften Erfolg sicherstellt.

Neu ist in Erfurt für die Theatergeschichte die Konzeption des Tageslichtfoyers mit der Innenhofkonzeption für das „Theatrium“ im Seitenbühnenbereich. Möglicherweise kann sich hier eine neue Beziehung zwischen Opernbesuchern, Künstlern und Regisseuren entwickeln, die Traum, Geheimnis und Wirklichkeit des Operngeschehens miteinander in Verbindung bringen. Genau wie der Saal : ein Zuschauerraum aus „Rot und Schwarz“, eine eigene Schale, die gehüllt in kunstvolle schwarze Ortbetontechnik, im Inneren den Schatz freigibt, den Saal, in Karmesinrot, mit steil ansteigendem Rang und Blick auf die Bühne mit kürzesten Sehentfernungen. Dieses Prinzip der Intimität in der Verkürzung der Sehentfernung bei großem akustischem Raumvolumen haben wir in unserm Entwurf für das kleine Festspielhaus in Salzburg entwickelt und für Erfurt perfektioniert. In Erfurt findet diese Konzeption der Nähe des Zuschauers zum Bühnengeschehen seine Realisierung: nicht einmal 17 Meter ist der letzte Zuschauer vom Bühnengeschehen entfernt. Jede Regung, jede Mimik ist unmittelbar erfahrbar. So auch der akustische Raum: Eine transparente Dichte, die jeden einzelnen Musiker in den Vordergrund stellt, eine akustische Präsenz die dem Zuschauer ein Vergnügen, dem Künstler eine Herausforderung darstellt.

Der Theaterneubau: ein Produktionsgebäude für die Kultur, welches sich im Inneren öffnet für das neue Theater und für die Kunst. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Mischa Kuball konnten wir im Foyer gemeinsam eine Lichtkunstarchitektur entwickeln, die subversiv in den Stadtraum hineinwirkt, über den Rathausplatz bis hin zum barocken Hirschgarten: Die „Verführung durch das Theater“, die mit Licht in der Stadt ihre Signale setzt, um im Theaterfoyer des Neubaus zur Ruhe zu kommen.

Foto: Lutz Edelhoff
Foto: Lutz Edelhoff

Nominierung

BDA-Architekturpreis Nike 2010