Preisträger BDA-Architekturpreis Nike 2010
Preisträger HANNES-MEYER-PREIS 2009

Museum Luther-Geburtshaus

Eisleben

Projekt
Museum Luther-Geburtshaus, Eisleben
Architekt
SPRINGER ARCHITEKTEN, Berlin
Architekten
Springer Architekten, Berlin
Bauherr
Stiftung Luthergedenkstätten

Museum Luther-Geburtshaus

Juryvotum

Zusammen mit der Sanierung des Geburtshauses wurden zwei Neubauten errichtet:

Das Ausstellungsgebäude nimmt den neuen Haupteingang des Museums auf und schafft die Voraussetzungen für einen Rundgang, der Geburtshaus und Armenschule einschließt.

Das Besucherzentrum mit Räumen für wissenschaftliche Mitarbeiter und einer regionalen touristischen Besucherinformation entlastet die historischen Gebäude und leistet zugleich einen entscheidenden Beitrag zur städtebaulichen Konsolidierung des Ensembles.

Im Verhältnis zum gegenüberliegenden Ensemble um das Geburtshaus Luthers kommt dem Neubau an der Ecke Hallesche Straße / Seminarstraße eine wichtige stadträumliche Funktion zu. Der höhere, kubische Teil des Neubaus schließt die traufständige Bebauung auf der Südseite der Halleschen Straße nach Westen ab und verweist durch seine Höhe und durch das Zurückweichen von der Seminarstraße auf das nur ansatzweise sichtbare Geburtshaus.

Zur Seminarstraße wird, dem Giebel des Geburtshauses und dem Hofzugang gegenüberliegend, ein kleiner Platz ausgebildet, der einen stadträumlichen Auftakt zum Geburtshausensemble formuliert. Der niedrigere Bauteil mit einem Satteldach gewährleistet die Einbindung des Hauses in den Straßenzug der Halleschen Straße. Obwohl die Zweiteiligkeit des Baukörpers auf die zwei Vorgängerbauten an dieser Stelle zu verweisen scheint, macht die Anordnung der wenigen Fensteröffnungen deutlich, daß es sich um ein Gebäudeganzes handelt. Fassadenmaterial und die Gestaltung der Öffnungen stellen den Zusammenhang mit dem Neubau des Ausstellungsgebäudes auf der gegenüberliegenden Seite hinter Geburtshaus und Armenschule her.

Schon vor den Baumaßnahmen wurde der Zugang zum Geburtshaus von den allermeisten Besuchern im Hof zwischen Geburtshaus und Armenschule gesucht. Der historische Zugang zum Geburtshaus in der Lutherstraße wurde trotz des bemerkenswerten Eingangsportals von 1693 nicht wahrgenommen. Dieser Umstand war das Ergebnis der Umgestaltung des Hofes unter F.A. Stüler; das Entfernen des Eckgebäudes in der Lutherstraße und die Einführung der Pergolen bewirkte neben der Freistellung des Geburtshauses auch eine entschiedene Aufwertung des Hofes. (Aus diesem Grund bezog sich der wichtigste Eingriff in die Struktur des Geburtshauses in dieser Zeit auch auf den Umbau der Hoffassade.)

Die veränderte stadträumliche Situation führt zu der Überlegung, den Zugang zum Ensemble vom Hof aus über einen Neubau zu realisieren, der zugleich die beiden historischen Gebäude miteinander verbinden könnte.

Ähnlich wie schon die Armenschule wird auch der Neubau des Ausstellungsgebäudes als eigenständiges Objekt im Stadtgefüge aufgefaßt. Zwei niedrigere Paßstücke bewerkstelligen die Anbindung an Geburtshaus und Armenschule. Die Anordnung des Baukörpers im Hofraum und die sehr zurückhaltende Gestaltung der Fassaden weist dem Neubau trotz seiner Eigenständigkeit die Rolle eines Hintergrundes für die historischen Gebäudes des Ensembles zu. Daß der zukünftige Eingang dem bestehenden Tor zum Hof genau gegenüber liegt, erleichtert die Orientierung für den Besucher und macht eine expressive Betonung der neuen Zugangssituation entbehrlich.

Der Rolle des Ausstellungsgebäudes als Bindeglied zwischen den beiden Exponaten Geburtshaus und Armenschule entspricht die zweigeteilte Struktur des Hauses.Jeweils zwei um die Höhendifferenz zwischen Geburtshaus und Armenschule ge geneinander versetzte Ausstellungsebenen werden durch eine offene Treppe in der Mitte des Gebäudes verbunden. Mit dem Foyer auf der unteren, nördlichen Ebene beginnt der Rundgang der über den unteren südlichen Ausstellungsraum zunächst zur Armenschule, von dort zurück in den Neubau mit den beiden oberen Ausstellungsebenen und schließlich über den Übergang im Haus Lutherstraße 17 zum Höhepunkt des Rundgangs, dem Geburtshaus führt. Von dort geht es auf der Erdgeschoßebene zurück zum Foyer, wo der Rundgang endet. Die notwendigen Nebenflächen im Sockel des südlichen Gebäudeteils liegen eine halbe Treppe unterhalb des Foyers.

Ähnlich wie die südliche Giebelfassade der Armenschule binden auch die Außenwände des Ausstellungsgebäudes die historischen Sandsteinmauern an der Bösen Sieben und auf den alten Grundstücksgrenzen ein. Indem diese Mauern zu einem Teil des neuen Gebäudes werden stellen sie die Eigenständigkeit des neuen Hauses im Stadtraum wieder in Frage: der autonomen Geschlossenheit der nahezu symmetrischen Grundform steht die offenkundige Bindung an die eher zufälligen Formen der alten Mauern gegenüber. Es ist diese durchaus willkommene Ambivalenz zwischen einer eigenständigen, freien baukünstlerischen Setzung unserer Zeit und der Gebundenheit an den in der Geschichte gewachsenen Ort mit seinen Eigenheiten, die das gesamte Projekt charakterisiert.

Preisträger

BDA-Architekturpreis Nike 2010 – Nike für die beste Raumbildung

Die Auszeichnung wird einem Gebäude, einem Bauwerk oder einer stadtbauliche Arbeit zuteil, bei dem/der feststellbar durch die Anordnung von Räumen und deren aufeinander bezogene Proportion und Wirkung mehr als die Summe der Teile entstanden ist.

Zusammen mit der Sanierung des Geburtshauses wurden zwei Neubauten errichtet:

Das Ausstellungsgebäude nimmt den neuen Haupteingang des Museums auf und schafft die Voraussetzungen für einen Rundgang, der Geburtshaus und Armenschule einschließt.

Das Besucherzentrum mit Räumen für wissenschaftliche Mitarbeiter und einer regionalen touristischen Besucherinformation entlastet die historischen Gebäude und leistet zugleich einen entscheidenden Beitrag zur städtebaulichen Konsolidierung des Ensembles.

Im Verhältnis zum gegenüberliegenden Ensemble um das Geburtshaus Luthers kommt dem Neubau an der Ecke Hallesche Straße / Seminarstraße eine wichtige stadträumliche Funktion zu. Der höhere, kubische Teil des Neubaus schließt die traufständige Bebauung auf der Südseite der Halleschen Straße nach Westen ab und verweist durch seine Höhe und durch das Zurückweichen von der Seminarstraße auf das nur ansatzweise sichtbare Geburtshaus.

Zur Seminarstraße wird, dem Giebel des Geburtshauses und dem Hofzugang gegenüberliegend, ein kleiner Platz ausgebildet, der einen stadträumlichen Auftakt zum Geburtshausensemble formuliert. Der niedrigere Bauteil mit einem Satteldach gewährleistet die Einbindung des Hauses in den Straßenzug der Halleschen Straße. Obwohl die Zweiteiligkeit des Baukörpers auf die zwei Vorgängerbauten an dieser Stelle zu verweisen scheint, macht die Anordnung der wenigen Fensteröffnungen deutlich, daß es sich um ein Gebäudeganzes handelt. Fassadenmaterial und die Gestaltung der Öffnungen stellen den Zusammenhang mit dem Neubau des Ausstellungsgebäudes auf der gegenüberliegenden Seite hinter Geburtshaus und Armenschule her.

Schon vor den Baumaßnahmen wurde der Zugang zum Geburtshaus von den allermeisten Besuchern im Hof zwischen Geburtshaus und Armenschule gesucht. Der historische Zugang zum Geburtshaus in der Lutherstraße wurde trotz des bemerkenswerten Eingangsportals von 1693 nicht wahrgenommen. Dieser Umstand war das Ergebnis der Umgestaltung des Hofes unter F.A. Stüler; das Entfernen des Eckgebäudes in der Lutherstraße und die Einführung der Pergolen bewirkte neben der Freistellung des Geburtshauses auch eine entschiedene Aufwertung des Hofes. (Aus diesem Grund bezog sich der wichtigste Eingriff in die Struktur des Geburtshauses in dieser Zeit auch auf den Umbau der Hoffassade.)

Die veränderte stadträumliche Situation führt zu der Überlegung, den Zugang zum Ensemble vom Hof aus über einen Neubau zu realisieren, der zugleich die beiden historischen Gebäude miteinander verbinden könnte.

Ähnlich wie schon die Armenschule wird auch der Neubau des Ausstellungsgebäudes als eigenständiges Objekt im Stadtgefüge aufgefaßt. Zwei niedrigere Paßstücke bewerkstelligen die Anbindung an Geburtshaus und Armenschule. Die Anordnung des Baukörpers im Hofraum und die sehr zurückhaltende Gestaltung der Fassaden weist dem Neubau trotz seiner Eigenständigkeit die Rolle eines Hintergrundes für die historischen Gebäudes des Ensembles zu. Daß der zukünftige Eingang dem bestehenden Tor zum Hof genau gegenüber liegt, erleichtert die Orientierung für den Besucher und macht eine expressive Betonung der neuen Zugangssituation entbehrlich.

Der Rolle des Ausstellungsgebäudes als Bindeglied zwischen den beiden Exponaten Geburtshaus und Armenschule entspricht die zweigeteilte Struktur des Hauses.Jeweils zwei um die Höhendifferenz zwischen Geburtshaus und Armenschule ge geneinander versetzte Ausstellungsebenen werden durch eine offene Treppe in der Mitte des Gebäudes verbunden. Mit dem Foyer auf der unteren, nördlichen Ebene beginnt der Rundgang der über den unteren südlichen Ausstellungsraum zunächst zur Armenschule, von dort zurück in den Neubau mit den beiden oberen Ausstellungsebenen und schließlich über den Übergang im Haus Lutherstraße 17 zum Höhepunkt des Rundgangs, dem Geburtshaus führt. Von dort geht es auf der Erdgeschoßebene zurück zum Foyer, wo der Rundgang endet. Die notwendigen Nebenflächen im Sockel des südlichen Gebäudeteils liegen eine halbe Treppe unterhalb des Foyers.

Ähnlich wie die südliche Giebelfassade der Armenschule binden auch die Außenwände des Ausstellungsgebäudes die historischen Sandsteinmauern an der Bösen Sieben und auf den alten Grundstücksgrenzen ein. Indem diese Mauern zu einem Teil des neuen Gebäudes werden stellen sie die Eigenständigkeit des neuen Hauses im Stadtraum wieder in Frage: der autonomen Geschlossenheit der nahezu symmetrischen Grundform steht die offenkundige Bindung an die eher zufälligen Formen der alten Mauern gegenüber. Es ist diese durchaus willkommene Ambivalenz zwischen einer eigenständigen, freien baukünstlerischen Setzung unserer Zeit und der Gebundenheit an den in der Geschichte gewachsenen Ort mit seinen Eigenheiten, die das gesamte Projekt charakterisiert.

Preisträger

HANNES-MEYER-PREIS 2009